Aktuelles

Das Ende einer Vision? Meta begräbt das Metaverse für Unternehmen.

Zuckerberg begräbt das Metaverse für UnternehmenEs war das Kernstück der großen Umbenennung von Facebook zu Meta: die Vision einer Arbeitswelt, in der wir uns als Avatare in virtuellen Büros treffen. Doch nun zieht Mark Zuckerberg die Reißleine.

Wie aktuelle Berichte (unter anderem von The Verge) bestätigen, stellt Meta seine zentralen Business-VR-Angebote ein. Ein strategischer Rückzug, der viel über die Zukunft der digitalen Zusammenarbeit verrät.

Der radikale Schnitt: Workrooms und Business-VR vor dem Aus

Die Nachricht wurde in der Tech-Welt mit einigem Erstaunen aufgenommen: Meta stellt die Standalone-App Horizon Workrooms zum 16. Februar 2026 offiziell ein. Zeitgleich wird der Verkauf von kommerziellen Meta-Quest-Headsets (Business SKUs) sowie der „Meta Horizon Managed Services“ beendet.

Für Unternehmen, die auf das Metaverse als Produktivitäts-Tool gesetzt haben, ist dies ein deutliches Signal. Wo vor drei Jahren noch von der „Revolution der Zusammenarbeit“ die Rede war, herrscht nun Ernüchterung. Bestehende Business-Kunden erhalten zwar noch Support bis 2030, doch die Weiterentwicklung ist faktisch gestoppt.

Die Gründe: Warum die virtuelle Vision scheiterte

Der Rückzug ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer harten wirtschaftlichen Realität. Mehrere Faktoren haben zu diesem Kurswechsel geführt:

  • Die Hardware-Hürde: Es hat sich gezeigt, dass die breite Masse der Arbeitnehmer nicht bereit ist, mehrere Stunden am Tag ein schweres VR-Headset zu tragen. Die „Headset-Fatigue“ ist ein reales Hindernis für die tägliche Produktivität.
  • Milliardenverluste bei Reality Labs: Metas Hardware-Sparte verbuchte seit 2021 Verluste von über 70 Milliarden US-Dollar. Im Zuge einer internen Umstrukturierung wurden bereits Ressourcen massiv umverteilt.
  • Der Aufstieg der KI: Mark Zuckerberg hat den Fokus des Unternehmens massiv in Richtung Künstliche Intelligenz (Llama) verschoben. KI verspricht derzeit deutlich schnellere und greifbarere Renditen als das immersive Metaverse.

Strategiewechsel: „Mobile-First“ und Wearables statt Full-Immersion

Besonders spannend ist die neue Richtung, die Meta einschlägt. Anstatt die Nutzer in abgeschlossene virtuelle Welten zu zwingen, wandert der Fokus klar in Richtung Mobile und Wearables.

  • Horizon goes Mobile: Meta versucht, seine sozialen Plattformen verstärkt auf Smartphones und Tablets zugänglich zu machen, anstatt sie exklusiv an VR-Headsets zu binden.
  • Smart Glasses statt VR-Helme: Der Erfolg der Ray-Ban Meta Smart Glasses hat intern zu einem Umdenken geführt. Leichte, KI-gestützte Brillen, die den Alltag im „echten“ Raum bereichern (Augmented Reality), werden als deutlich massentauglicher eingeschätzt.

Was bedeutet das für Unternehmen und Agenturen?

Für Agenturen und Berater, die ihre Kunden in Sachen Digitalisierung begleiten, ergeben sich aus diesem Pivot wichtige Lehren:

  • Ökosysteme statt Insellösungen: Meta empfiehlt Unternehmen nun, auf Drittanbieter wie Microsoft Teams (Immersive) oder Zoom Workplace auszuweichen. Die Integration in bestehende Workflows ist wichtiger als eine proprietäre Meta-Plattform.
  • Pragmatismus schlägt Hype: Das Metaverse ist nicht „tot“, aber es wird gerade radikal entzaubert. Unternehmen sollten bei Innovationen weniger auf die „totale Immersion“ setzen und stattdessen prüfen, wo XR (Extended Reality) und KI im mobilen Kontext echte Effizienzgewinne bringen.
  • Fokus auf AR und KI: Der Trend geht weg von der Flucht in virtuelle Welten hin zur Erweiterung der realen Welt durch Datenbrillen und KI-Assistenten.

Eine notwendige Korrektur

Der Abschied von Horizon Workrooms markiert das Ende der „romantischen Phase“ des Metaverse. Meta vollzieht eine notwendige Korrektur hin zu einer Strategie, die dort ansetzt, wo die Nutzer bereits sind: am Smartphone und bei der täglichen Arbeit mit KI.

Für die digitale Transformation bedeutet das: Wir werden uns auch in Zukunft virtuell vernetzen – aber wahrscheinlich eher durch eine smarte Brille auf der Nase oder eine App auf dem Handy als durch einen comicartigen Avatar in einem fensterlosen VR-Büro.

Foto: Nick Ross

19.01.2026

RSS Newsfeed
Alle News vom TAGWORX.NET Neue Medien können Sie auch als RSS Newsfeed abonnieren, klicken Sie einfach auf das XML-Symbol und tragen Sie die Adresse in Ihren Newsreader ein!