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KI-Kumpel: OpenAI baut seinen eigenen Smart Speaker

Open AI baut SmartspeakerWie Bloomberg schreibt, wird OpenAIs erstes eigenes Hardware-Produkt kein Handy, keine Brille und auch kein Laptop. Es wird ein Lautsprecher. Aber einer, der bewusst so gebaut ist, dass man ihn nicht als Lautsprecher wahrnimmt, sondern als etwas, das im Raum den bester Kumpel sein soll. Klingt erstmal nach einem Echo-Klon mit ChatGPT-Branding. Ist es es aber auch nicht ganz.

Das Gerät ist laut den Insidern, auf die sich Bloomberg beruft, mobil, batteriebetrieben und komplett ohne Display. Man soll es morgens mit in die Küche nehmen, mittags ins Wohnzimmer stellen und abends neben dem Bett laden können – oder es einfach dauerhaft an einem Platz stehen lassen, ganz wie man mag. Es steuert Smart-Home-Geräte, spielt Musik, beantwortet Fragen, liest Nachrichten vor und beantwortet sie, und hat vollen Zugriff auf das, was ChatGPT inzwischen alles kann.

Der eigentlich interessante Teil ist aber nicht die Funktionsliste, sondern wie OpenAI intern über das Ding spricht. Es soll sich nicht wie ein Zubehörteil anfühlen, sondern wie ein Begleiter. Internen Quellen zufolge hat das Gerät sogar bewegliche mechanische Elemente, die sich eigenständig bewegen können – nicht um irgendeine praktische Funktion zu erfüllen, sondern schlicht, damit es lebendig wirkt und nicht wie ein Gegenstand, der nur auf Befehle reagiert. Die Financial-Presse zitiert eine Formulierung aus OpenAI-Kreisen, wonach das Gerät "die physische Verkörperung von ChatGPT" werden soll. Das ist ein bemerkenswerter Anspruch für ein Stück Hardware, das bislang noch nicht mal offiziell bestätigt wurde.

Angetrieben werden soll die Konversation über eine weiterentwickelte Version des ChatGPT Voice Mode, intern GPT-Live genannt, die genau in diesem Monat ausgerollt wurde. Der Clou daran: Das Modell soll gleichzeitig zuhören und sprechen können, sich natürlicher in Gesprächsverläufe einfügen und Informationen schneller verarbeiten. Für alle, die schon mal mit Sprachassistenten gehadert haben, weil man erst zu Ende reden musste, bevor überhaupt etwas passiert ist, wäre das tatsächlich ein spürbarer Unterschied.

Kamera, Sensoren und ziemlich viel Kontext über dich

Nach Informationen von The Information, die unter anderem von 9to5Mac aufgegriffen wurden, soll das Gerät zwischen 200 und 300 US-Dollar kosten und mit einer Kamera ausgestattet sein. Die soll nicht nur Gesichter erkennen, sondern generell die Umgebung erfassen – Gegenstände auf dem Tisch, Gespräche im Raum, den allgemeinen Kontext eben. Bloomberg ergänzt, dass das Gerät zusätzlich auf persönliche Daten wie E-Mails zugreifen soll, um seinen Besitzer besser zu verstehen und Bedürfnisse vorherzusagen, bevor sie überhaupt ausgesprochen werden.

Das ist der Punkt, an dem man als technisch interessierter Mensch kurz zwei Gedanken gleichzeitig hat. Der eine: Das wäre tatsächlich ein Sprung gegenüber Alexa und Google Assistant, die im Kern immer noch Befehl-Antwort-Systeme sind, so gut die Sprachmodelle darunter inzwischen auch geworden sind. Der andere: Ein Gerät, das dauerhaft zuhört, mitschaut und E-Mails mitliest, um "proaktiv" zu werden, ist ziemlich genau das Datenschutz-Albtraumszenario, vor dem Kritiker von smarten Lautsprechern seit Jahren warnen. Beide Gedanken haben ihre Berechtigung, und OpenAI wird sich früher oder später öffentlich erklären müssen, wie genau diese Datenverarbeitung technisch und rechtlich abläuft – vor allem mit Blick auf die DSGVO, falls das Gerät auch in Europa auf den Markt kommen sollte.

Der Elefant im Raum: Apple

Man kann diese Geschichte nicht erzählen, ohne über Apple zu sprechen. OpenAI hat 2024 satte 6,5 Milliarden Dollar für io Products gezahlt, das Hardware-Startup von Ex-Apple-Design-Ikone Jony Ive. Seitdem hat OpenAI laut Gerichtsunterlagen mehr als 400 weitere Apple-Mitarbeiter abgeworben, darunter Tang Tan und die frühere Apple-Chefdesignerin Evans Hankey, die inzwischen die Entwicklung des Lautsprechers und weiterer Geräte leitet. Erst im Juni kam mit Paul Meade ein langjähriger Apple-Manager dazu, der zuvor die Vision Pro und kommende Smart-Glasses-Projekte verantwortet hatte.

Und genau eine Woche vor dem Bloomberg-Bericht hat Apple OpenAI verklagt. Der Vorwurf: systematischer Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen durch ehemalige Apple-Angestellte, die vertrauliche Hardware-Designs mitgenommen haben sollen. Apple spricht sogar von der "Spitze des Eisbergs" und kündigt an, im Rahmen des Beweisverfahrens werde noch mehr ans Licht kommen. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und lässt über Quellen ausrichten, man habe "kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen" und das eigene Produkt unterscheide sich in Audio-Technik und Hardware-Aufbau deutlich genug von Apples HomePod-Linie.

Ob das stimmt, wird sich erst im Lauf des Rechtsstreits zeigen. Was aber schon jetzt klar ist: Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein, und die Klage dürfte den ohnehin schon für 2027 anvisierten Marktstart zusätzlich verzögern. Laut MLQ News, die den Bloomberg-Bericht einordnen, ist der Lautsprecher zudem nur eines von schätzungsweise fünf Hardware-Projekten, an denen OpenAI parallel arbeitet.

Das Timing passt

OpenAI steht nach eigenen Planungen vor einem Börsengang, und ein physisches Produkt jenseits der Software-Abos wäre eine zweite, greifbare Einnahmequelle – etwas, das Investoren traditionell zu schätzen wissen. Gleichzeitig ist das Rennen um KI-Hardware inzwischen in vollem Gange: Hark, das von Figure-AI-Gründer Brett Adcock gestartete Labor, hat im Mai eine überzeichnete Series-A-Runde über 700 Millionen Dollar bei sechs Milliarden Bewertung eingesammelt, um eigene "Personal Intelligence"-Geräte zu bauen. Amazon pumpt eigene LLM-Funktionen in die Echo-Reihe, Google tut dasselbe mit Gemini in seinen Nest-Geräten. Wer als Erster ein Gerät liefert, das sich wirklich wie ein Sprung anfühlt und nicht nur wie ein aufgehübschter alter Lautsprecher, sichert sich einen ziemlich wertvollen Startvorteil.

Offiziell bestätigt hat OpenAI bislang nichts – ein Sprecher wollte sich gegenüber Bloomberg nicht äußern. Bereits im Januar hatte Chris Lehane, Chief Global Affairs Officer bei OpenAI, in Davos gegenüber Axios aber angedeutet, man liege "on track", ein erstes Gerät noch in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorzustellen, auch wenn ein tatsächlicher Marktstart 2026 noch nicht feststehe.

Wir arbeiten tagtäglich mit Web- und KI-Technologien, deshalb ist für uns an dieser Meldung vor allem eines richtig spannend: Hier verschiebt sich etwas im Grundverständnis davon, was ein "smartes" Gerät überhaupt sein soll. Weg vom reinen Werkzeug, hin zu etwas, das bewusst Persönlichkeit simuliert und eine emotionale Bindung aufbauen will. Ob das gelingt, ob Nutzer das überhaupt wollen und ob die Datenschutzfragen sauber gelöst werden, steht auf einem anderen Blatt. Aber dass große Player wie OpenAI, Amazon, Google und jetzt auch kleinere Herausforderer wie Hark gerade alle gleichzeitig in diese Richtung investieren, zeigt: Der nächste große Umbruch in der Mensch-Computer-Interaktion wird wohl nicht auf einem Bildschirm stattfinden. Er wird neben deinem Bett stehen und dir zuhören.

Wir lassen es euch wissen, sobald es handfeste Details oder gar ein offizielles Launch-Datum gibt.


Quellen:

  • Bloomberg: OpenAI's First Device Will Be Movable, Screenless Speaker Built as AI Companion (14.07.2026)
  • TechCrunch: OpenAI's first hardware device is reportedly a screenless speaker that can move
  • The Information (über 9to5Mac): Preis- und Kamera-Details zum Gerät
  • MLQ News: Einordnung zur Apple-Klage und Produktpipeline
  • Reuters: OpenAI's first hardware device will be a speaker, Bloomberg News reports

15.07.2026

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