Aktuelles

Google straft schlechten Content ab - völlig Wurscht, ob menschlich erzeugt oder KI-generiert

KI-Texte ranken bei Google völlig normal - wenn sie gut sindWie das SEO-Fachportal ahrefs schreibt, können KI-generierte Inhalte bei der Mutter aller Suchmaschinen durchaus gut ranken. Entscheidend für die Sichtbarkeit sei vor allem die Qualität der Inhalte. Ahrefs hat sich nämlich hingesetzt, eine Million Seiten aus 100.000 Suchergebnisseiten durchleuchtet und am Ende steht ein Befund, den man mit einem müden Schulterzucken und einem "na, was habe ich gesagt" quittieren könnte. Google straft KI-Content nicht per se ab. Es straft schlechten Content ab. Der ist nur eben, zugegeben, bei KI-Texten überdurchschnittlich häufig anzutreffen. So weit so banal. Und genau das ist das Interessante daran.

Seit ChatGPT & Co. den Content-Markt aufgemischt haben, geistert eine hartnäckige Angst durch Marketing-Abteilungen und Agenturen: Wehe, Google merkt, dass da eine KI mitgeschrieben hat. Dann gnade uns Gott, dann verschwinden wir auf Seite zwölf der Suchergebnisse und niemand findet uns je wieder. Diese Angst hat sogar einen eigenen Namen bekommen, den SEO-Experten wie Lily Ray und Glenn Gabe geprägt haben: "Mount AI" - gemeint sind Traffic-Graphen, die aussehen wie ein Berggipfel. Erst ein kometenhafter Anstieg, weil jemand hunderte KI-Artikel am Fließband produziert hat, dann der jähe Absturz ein paar Monate später, wenn Google die Reißleine zieht.

Nur: Zieht Google wirklich die Reißleine, weil KI im Spiel war? Oder eher, weil das, was da produziert wurde, schlicht und einfach Ramsch war? Genau dieser Frage ist Ahrefs nachgegangen - mit einer Datenbasis, die sich sehen lassen kann.

Was die Zahlen wirklich sagen

Für die Analyse wurden rund eine Million Seiten aus 100.000 Suchergebnisseiten untersucht, mithilfe des hauseigenen KI-Content-Detektors von Ahrefs. Das Ergebnis dürfte einige Kollegen aus der "KI ist der Untergang der SEO"-Fraktion kurz schlucken lassen:

  • 5,3 % der Top-3-Ergebnisse sind zu 100 % KI-generiert.
  • 9 % der Top-3-Seiten bestehen zu mindestens 80 % aus KI-Content.
  • Gleichzeitig entfallen 82,2 % der Top-3-Rankings auf Seiten mit weniger als 50 % KI-Anteil.
  • Selbst auf Position 1 finden sich noch 8,4 % Seiten mit sehr hohem KI-Anteil (= 80 %).
  • Bei der Indexierung sinkt die Quote von 49,3 % (wenig KI) auf 40,4 % (viel KI) - ein spürbarer, aber alles andere als dramatischer Unterschied.
  • Stark KI-lastige Seiten erhalten im Schnitt zwei- bis dreimal weniger organische Impressionen als Seiten mit wenig oder moderatem KI-Anteil.

Man kann diese Zahlen auf zwei Arten lesen. Die pessimistische Lesart: Je mehr KI, desto schlechter die Performance - also Finger weg. Die realistischere Lesart, die Ahrefs selbst auch zieht: Es gibt keinen harten Cut-off, keinen digitalen Türsteher, der KI-Texte kategorisch vor die Tür setzt. Es gibt einen sanften Gradienten. Und der korreliert eben nicht mit "KI ja oder nein", sondern mit Qualität.

Hat Google je etwas anderes behauptet?

Was viele in der ganzen Aufregung gerne vergessen: Google selbst hat schon vor Jahren offiziell klargestellt, dass automatisiert erstellte Inhalte grundsätzlich kein Problem sind - solange sie nicht in erster Linie dazu dienen, das Ranking zu manipulieren. Automatisierung wird in der Publishing-Welt schließlich schon lange genutzt, um nützliche Inhalte zu erstellen, und KI kann diesen Prozess auf neue, durchaus sinnvolle Weise unterstützen. Das war nie ein Geheimnis, es wurde nur von der allgemeinen Nervosität überdeckt.

Auch die deutsche Fachpresse hat das Thema aufgegriffen und kommt zum gleichen Schluss: Google verbannt KI-Inhalte nicht grundsätzlich aus den Suchergebnissen, sondern bewertet weiterhin in erster Linie die Qualität. Die Botschaft ist über alle Quellen hinweg erstaunlich einheitlich - was in einer Branche, die sich sonst über jedes Komma streitet, schon fast bemerkenswert ist.

Warum KI-Content trotzdem oft schlechter abschneidet

Jetzt könnte man einwenden: Wenn KI-Content nicht grundsätzlich schlechter rankt, warum schneidet er im Schnitt dann eben doch schlechter ab? Die Antwort ist unbequem, aber simpel: Weil die meisten Menschen, die massenhaft KI-Content produzieren, dabei genau die Fehler machen, die Content schon vor der KI-Ära ruiniert haben. Nur eben schneller und in größerem Maßstab.

Typische Symptome von lieblos produziertem KI-Content:

  • Er wiederholt, was ohnehin schon zehnmal im Netz steht, ohne einen einzigen neuen Gedanken beizusteuern.
  • Er verzichtet auf interne und externe Verlinkung, auf Bilder, auf echte Praxiserfahrung.
  • Er liest sich wie eine mittelmäßige Hausarbeit: zwar im großen und ganzen korrekt, aber seelenlos.
  • Er enthält handfeste Fehler, weil ihn niemand gegengelesen hat.

Das sind alles Probleme, die jeden Text ruinieren können - ob er nun von einem Menschen mit Zeitdruck oder von einer KI ohne Redaktion stammt. Bei skalierter KI-Produktion treten sie nur eben gehäuft auf, weil "einfach mal zehn Artikel pro Tag rausballern" selten mit "jeden einzelnen sorgfältig kuratieren" zusammengeht. Und genau das erklärt auch das Phänomen "Mount AI": Google crawlt neue, plötzlich auftauchende Seitenmassen zunächst neugierig an - fehlt aber die nötige Domain-Autorität, um diesen Umfang dauerhaft zu rechtfertigen, wird der Ressourcenhahn recht bald wieder zugedreht. Wer initial Crawling-Budget bekommt, hat noch lange keinen Anspruch darauf, es auf ewig zu behalten.

Die eigentliche Pointe

Nein, KI-Content ist jetzt nicht plötzlich der heilige Gral der Suchmaschinenoptimierung. Fakt ist nur, dass sich an den Grundregeln guten Contents - seit jeher - schlicht nichts geändert hat. Originalität, echte Expertise, saubere Recherche, ein Mensch, der am Ende noch einmal drüberliest und nachdenkt, ob der Text auch wirklich etwas zu sagen hat: Das war vor der KI wichtig, und es ist nach der KI genauso wichtig. Die Technologie hat sich verändert. Die Kriterien, nach denen Google gute von schlechter Arbeit unterscheidet, nicht.

Wer also bislang aus Angst vor dem KI-Bann komplett auf KI-Unterstützung verzichtet hat, darf jetzt gerne aufatmen - und wer geglaubt hat, mit KI ließe sich Content-Qualität durch schiere Masse ersetzen, darf jetzt gerne kurz innehalten und sich fragen, wie die eigenen letzten fünfzig Artikel eigentlich so aussehen.

Der Alltag in der Redaktion - oder beim Influencer

Für die tägliche Praxis heißt das: KI als Werkzeug einzusetzen, um Recherche zu beschleunigen, Rohtexte zu strukturieren oder Ideen zu sortieren, ist völlig legitim - und wird von Google nicht abgestraft, schon gar nicht automatisch. Entscheidend bleibt, was am Ende dabei herauskommt. Ein Text mit echtem Mehrwert, klarer Haltung, sauberer Quellenarbeit und - ja, auch das gehört dazu - einer redaktionellen Instanz, die noch einmal kritisch draufschaut, bevor er online geht.

Genau das ist im Übrigen auch der Grund, warum wir bei TAGWORX Content-Projekte grundsätzlich nicht als "KI raus, fertig" behandeln, sondern als das, was sie immer waren: redaktionelle Arbeit, bei der Technologie ein Werkzeug unter mehreren ist. Die Studie bestätigt vor allem eines - guten Content erkennt man nicht daran, wer oder was ihn geschrieben hat, sondern daran, ob er etwas zu sagen hat. Und das, liebe Leserschaft, wussten wir eigentlich schon immer.


Quellen: Ahrefs, "Google Doesn't Punish AI Content; It Punishes Bad Content (331k Pages Studied)", 27. Juli 2026; Marketing-Börse, "Google bestraft schlechten Content - nicht KI-Content", 29. Juli 2026.
Bild: Rodwell, G. F.: “South by East: Notes of Travel in Southern Europe” (1877) (gemeinfrei)

29.07.2026

RSS Newsfeed
Alle News vom TAGWORX.NET Neue Medien können Sie auch als RSS Newsfeed abonnieren, klicken Sie einfach auf das XML-Symbol und tragen Sie die Adresse in Ihren Newsreader ein!