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Rockstar Games veröffentlicht 26 Minuten Gameplay zu GTA VI

GTA 6 GameplayZeitweise sind gestern die Netflix-Server in die Knie gegangen, die Gamer-Welt steht Kopf. Gegen 21 Uhr deutscher Zeit haben Rockstar Games und Netflix gemeinsam „Grand Theft Auto VI: An Extended Look" veröffentlicht, 26 Minuten reines Gameplay, keine Regisseur-Interviews, keine Studio-Führung, keine Marketing-Floskeln zwischen den Szenen. Und während Millionen Menschen gleichzeitig auf Play drückten, tat Netflix das, was Netflix in solchen Momenten eben tut: kurz die Grätsche machen. Downdetector zeigte einen deutlichen Ausschlag, die Desktop-Seite spuckte minutenlang Fehlermeldungen aus, während die TV- und Mobile-Apps sich vergleichsweise tapfer hielten. Ein kleiner, fast schon symbolischer Vorgeschmack darauf, was am 19. November passiert, wenn das eigentliche Spiel erscheint.

Aber der Reihe nach. Denn hinter den 26 Minuten steckt mehr als nur eine gut getimte Marketing-Aktion - es steckt eine Geschichte, die zwei Wochen vorher schon anders hätte laufen sollen.

Warum Netflix - und warum jetzt?

Die Kooperation mit Netflix war kein Zufallsprodukt. Rockstar hat sich in den letzten Jahren einen Ruf als Studio erarbeitet, das Informationen so knapp dosiert wie ein Barkeeper am Ende der Schicht. Doch vor der Veröffentlichung war genau diese Zurückhaltung zum Problem geworden: Innerhalb einer Woche waren Ausschnitte aus internen Builds durchgesickert, roh, unfertig und aus dem Kontext gerissen - Material, das Spielerinnen und Spieler in die Irre führte, bevor Rockstar überhaupt die Chance hatte, es selbst zu präsentieren. Das Studio reagierte ungewöhnlich offen darauf und bezeichnete die Leaks öffentlich als „herzzerreißend" für das eigene Team. Keine PR-Watte, sondern ein echtes „das tut weh".

Die Netflix-Premiere war also auch eine Antwort: Wenn schon reden, dann zu den eigenen Bedingungen. Sechs Stunden Exklusivität für Netflix-Abonnenten, danach frei zugänglich auf dem YouTube-Kanal von Rockstar Games. Kein Zufall, dass das fertige Material genau jene Szene enthielt, die vorab geleakt war - Jason und Lucia beim Überfall auf ein Diner. Nur dass sie jetzt, poliert und in vollem Kontext gezeigt, so viel besser wirkte als jeder verwackelte Leak-Clip es je könnte. Eine kleine Machtdemonstration: Seht her, das habt ihr eigentlich gesehen - und jetzt seht, wie es wirklich aussieht.

Was die 26 Minuten tatsächlich zeigen

Wer auf große Überraschungen gehofft hat, wurde nur teilweise bedient. Die Extended Look konzentriert sich fast ausschließlich auf Leonida und sein Herzstück Vice City, das erwartungsgemäß im Zentrum der Präsentation steht. Zu sehen gibt es das eingespielte Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptfiguren Jason und Lucia, Bankraub-Sequenzen, Verfolgungsjagden mit der Polizei und eine ganze Reihe an Open-World-Aktivitäten, die zeigen sollen, wie sich Leonida jenseits der Story anfühlt. Bemerkenswert ist vor allem der Ton: Rockstar bleibt seiner schnodderigen, unverblümten Erzählweise treu, inklusive der Vulgarität und moralischen Grauzonen, die die Serie seit jeher prägen.

Der Kennerblick auf die Fahrzeuge verrät: Rockstar hat sich hier rrrichtig Mühe gegeben. Die Fahrzeugmechanik und die Fahrzeugphysik haben noch einmal ordentlich zugelegt. Zwar gibt es außer beim Polizei-Dodge noch immer keine Echtnamen (nach wie vor ein Lizenzproblem), aber wer sich den wegfahrenden 3er im Video genauer anschaut, sieht: Da geht der Auspuff schräg nach außen wie im Original. Das ist wirklich Liebe zum Detail, sagenhaft! Zudem lassen sich jetzt Autos auf verschiedene Weise knacken: entweder brachial, dann gibt's Scherben, oder mit Fingerspitzengefühl und dem entsprechenden Werkzeug.

Den größten Eindruck hinterlässt jedoch das Finale des Videos - eine nächtliche Security-Mission bei einer Highend-Party. Die Beleuchtung und Reflexionen wirken beinahe fotorealistisch, doch was wirklich im Gedächtnis bleibt, ist das Gunplay. Jason greift dabei auf eine Zeitlupen-Fähigkeit zurück, die Fans von Max Payne 3 sofort wiedererkennen dürften, während Lucia zeitgleich einen brutalen Nahkampf in einem Treppenhaus austrägt. Genau diese Gegenüberstellung - zwei Figuren, zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen an dieselbe Situation - ist wohl das, was Rockstar am meisten über das kommende Spiel verraten wollte: GTA VI wird konsequent auf das Duo Jason und Lucia bauen, nicht nur erzählerisch, sondern auch spielmechanisch.

Trotzdem gab es auch kritische Stimmen. Wer sich an frühere Rockstar-Präsentationen erinnert - etwa die knapp fünfminütige Ankündigung von GTA V 2013, die sofort mit dem Charakterwechsel zwischen drei Protagonisten überraschte, oder die beiden sechsminütigen Deep-Dives zu Red Dead Redemption 2 im Jahr 2018 - bemerkt einen Unterschied. Diese früheren Präsentationen waren kürzer, zeigten aber in wenigen Minuten mehr echte Systemneuheiten. Die GTA-VI-Präsentation wirkt dagegen breiter, aber stellenweise weniger überraschend: viel vertraute Rockstar-Mechanik, aufwendig inszeniert, aber abseits der Jason-Lucia-Dynamik wenig, das man nicht schon aus den bisherigen Trailern kannte. Nicht schlecht - nur eben nicht revolutionär.

Ich bin dann mal 80 Stunden weg

Rockstar-North-Co-Studioleiter Rob Nelson hat verraten, wie lange er selbst gebraucht hat, um GTA VI einmal komplett durchzuspielen, es waren ziemlich genau 80 Stunden. Und das war nur der Durchlauf von jemandem, der das Spiel bereits in- und auswendig kennt. Die Zahl lässt ahnen, worauf sich alle im November einstellen dürfen.

Wichtig dabei: Das waren keine 80 Stunden stures Missions-Grinding entlang der Hauptstory. Nelson hat sich die komplette Handlung gegeben, dazu aber auch etliche optionale Aufgaben und Nebenaktivitäten mitgenommen - von denen einige, so viel wird angedeutet, sogar Einfluss auf den weiteren Verlauf der Geschichte nehmen sollen. Wer also glaubt, Nebenmissionen seien nur hübsch verpackter Zeitvertreib, liegt hier offenbar falsch.

Heißt im Umkehrschluss: Wer stur der Hauptgeschichte folgt und links wie rechts an allem vorbeirennt, kommt vermutlich deutlich schneller durch. Wer sich dagegen wirklich auf Leonida einlässt, jede Ecke der Open World abklappert und alle Nebenaktivitäten mitnimmt, kann getrost mit deutlich mehr als 80 Stunden rechnen.

Das ist kein Zufall, sondern Prinzip. Rockstar will offenbar explizit verhindern, dass Spielerinnen und Spieler nur noch von Missionsmarker zu Missionsmarker hetzen. Essen, trainieren, Leute treffen, Geld verdienen, die Gegend erkunden oder einfach mal ordentlich Chaos anrichten - Jason und Lucia sollen sich in dieser Welt nicht nur bewegen, sondern regelrecht darin wohnen.

Menschen wie du und ich

Nicht nur die reine Spielzeit sorgt für offene Münder, sondern auch eine Zahl aus der Statistik-Ecke: über 600.000 NPC-Animationen sollen in GTA VI stecken, da ist also richtig Leben in der Bude! Zum Vergleich: GTA V kam auf gerade einmal 55.000, Red Dead Redemption 2 auf 300.000. GTA VI verdoppelt also selbst den bisherigen Rockstar-Rekord noch einmal - und lässt GTA V praktisch wie eine frühe Version von Super-Mario aussehen.

Möglich macht das ein eigenes Studio in Los Angeles, das sich um nichts anderes kümmert als die Bevölkerung von Leonida. Und hier wird es interessant: Statt NPCs prozedural aus dem Baukasten zu generieren, sind sie handgemacht - jede Figur einzeln gebaut, mit dem Ziel, dass sie sich auch individuell verhält. Der Unterschied zu früher lässt sich an einem simplen Beispiel festmachen: Ließ man in GTA V einen Gegenstand fallen, interessierte das keinen einzigen Passanten. In GTA VI merken sich die Figuren so etwas - und wer NPCs bedroht, sollte nicht überrascht sein, wenn die Antwort scharf ausfällt statt ängstlich wegzurennen.

Wie viel Detailarbeit dahintersteckt, macht Aaron Garbut, Co-Studioleiter von Rockstar North, deutlich: Nahezu jeder Raum im Spiel sei mit Bedacht gestaltet worden - wer dort sitzt, was getrunken wird, welche Spuren das auf dem Tisch hinterlässt. Selbst die Bilder an den Wänden sind kein Zufallsdeko, sondern erzählen etwas über die Bewohnerinnen und Bewohner des jeweiligen Raums, inklusive Tätowierungen und Familienfotos im Hintergrund.

Kurz gesagt: Während andere Studios ihre Städte noch mit Copy-Paste-Passanten füllen, baut Rockstar offenbar an einer Welt, in der selbst die Randfigur an der Ecke eine eigene kleine Biografie hat.

Ein kurzer Boxenstopp: Wie GTA an diesen Punkt kam

Um zu verstehen, warum ein 26-minütiges Gameplay-Video einen weltweiten Traffic-Peak auslösen kann, lohnt sich ein Blick zurück. Grand Theft Auto begann 1997 als knarziges Top-Down-Actionspiel von DMA Design, chaotisch, roh, mit einer Prise schwarzem Humor, der bis heute die DNA der Marke ausmacht. Der eigentliche Umbruch kam 2001 mit GTA III: Der Sprung in die dritte Dimension machte aus einem Nischenspiel ein popkulturelles Ereignis und legte den Grundstein für alles, was folgte. Vice City (2002) und San Andreas (2004) bauten dieses Fundament aus, jedes Mal größer, jedes Mal ambitionierter, jedes Mal mit einem noch schärferen Blick auf amerikanische Subkultur.

Mit GTA IV (2008) vollzog Rockstar dann einen technischen Generationswechsel, der bis heute nachwirkt - denn hier debütierte die Rockstar Advanced Game Engine, kurz RAGE, mit einer damals beeindruckenden Physik-Simulation namens Euphoria. GTA V (2013) skalierte dieses Fundament auf eine offene Welt, die bis heute als Referenz gilt, während Red Dead Redemption 2 (2018) zeigte, wozu dieselbe Engine-Familie fähig ist, wenn man ihr genug Zeit und Budget gibt. Zwischen GTA V und GTA VI liegen inzwischen mehr als zwölf Jahre - eine Pause, die in der Branche praktisch beispiellos ist und die den Erwartungsdruck auf dieses eine Spiel ins Absurde treibt.

Die Technik dahinter: Was aus RAGE geworden ist

Bleiben wir kurz bei der Engine, denn genau hier zeigt sich, warum GTA VI mehr ist als „das nächste GTA mit besserer Grafik". RAGE wird seit GTA IV kontinuierlich weiterentwickelt und hat mit jeder Iteration einen Sprung gemacht: mehr Physik, größere Welten, fotorealistischere Beleuchtung. Für GTA VI hat Rockstar die Engine noch einmal grundlegend überarbeitet - in der Community hat sich dafür der inoffizielle Spitzname „RAGE 9" eingebürgert, offiziell vergibt Rockstar allerdings keine Versionsnummern, weshalb dieser Begriff mit Vorsicht zu genießen ist.

Was sich aus dem bisherigen Material aber tatsächlich ablesen lässt: Die Engine setzt konsequent auf Raytraced Global Illumination, deutlich detailliertere Wasser- und Vegetationssimulation sowie ein spürbar überarbeitetes Animationssystem, das die für Rockstar typische Euphoria-Physik - also die dynamische, prozedurale Reaktion von Figuren auf Stöße, Stürze und Kollisionen - noch einen Schritt weiterdenkt. Genau das war im Nahkampf der Party-Sequenz zu sehen: Bewegungen, die nicht wie vorgerenderte Animationen wirken, sondern wie das Ergebnis einer Physik-Engine, die in Echtzeit improvisiert. Offiziell bestätigt hat Rockstar bislang nur, dass sämtliches gezeigtes Material auf einer regulären PlayStation 5 (!) aufgenommen wurde. Noch ist also kein Pro-Modell und keine keine PC-Version in Sicht, zumindest ist derlei noch nicht offiziell angekündigt.

Reveal-Formate im Vergleich

Präsentation Jahr Länge Format Fokus
GTA V Ankündigungstrailer 2013 ca. 5 Min. Cinematic Trailer Drei Protagonisten, Charakterwechsel-Mechanik
Red Dead Redemption 2 Deep-Dives 2018 2 × 6 Min. Gameplay-Feature-Videos Weltsysteme, KI, Interaktion
GTA VI: An Extended Look 2026 26 Min. Netflix-Premiere + YouTube Jason & Lucia, Vice City, Missionsdesign

Die Welt fiebert dem November entgegen

Rockstar hat trotz der Leak-Turbulenzen der vergangenen Wochen am Erscheinungstermin festgehalten: GTA VI erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Angesichts der Tatsache, dass das Studio selten lange Marketing-Kampagnen fährt, ist davon auszugehen, dass es in den kommenden drei Monaten sehr ruhig bleibt - und dass Rockstar die Deutungshoheit über sein eigenes Spiel diesmal nicht mehr aus der Hand geben will. Nach den Leaks hat man allen Grund dazu.

Für alle, die zwölf Jahre gewartet haben, bleibt am Ende ein zwiespältiges, aber überwiegend positives Gefühl: Das gezeigte Material wirkt technisch beeindruckend, erzählerisch fokussiert und handwerklich auf einem Niveau, das kaum ein anderes Studio derzeit liefert. Revolutionär im Sinne eines völlig neuen Spielprinzips ist es (noch) nicht. Aber vielleicht muss es das auch gar nicht sein. Manchmal reicht es, dass die Server in die Knie gehen.

Foto: Rockstar Games

28.08.2026

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