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macOS 27 Golden Gate: Die Brücke steht. Aber trägt sie auch deinen Drucker?
Montag, 21. September. In der HP-Community meldet sich ein Nutzer: Sein LaserJet M1005 druckt nicht mehr. Kein Papierstau, kein leerer Toner. Er hat am Wochenende auf macOS 27 aktualisiert. Die Antwort eines Community-Helfers passt in eine Zeile: Für dieses Modell gibt es keinen Treiber für das neue System. Basta.
Na, da kommt doch Freude auf, denn solche Schauergeschichten werden fast jeden Herbst am Kaminfeuer erzählt. macOS-Updateärger gibt's nämlich zuverlässig wie Lebkuchen im Supermarkt.
Die Softwareaktualisierung klopft höflich, aber hartnäckig an. Seit dem 14. September verteilt Apple macOS 27 Golden Gate an alle kompatiblen Macs. Das Update selbst ist ordentlich. Das Risiko steckt nicht in Apples Code, sondern in allem, was du in den letzten Jahren an deinen Mac angeschlossen und auf ihm installiert hast. Und dieses Jahr kommt noch ein Faktor dazu, der vielen gar nicht auffällt.
Weniger Feuerwerk, mehr Schraubenschlüssel
Apple hat Golden Gate im Juni auf der WWDC vorgestellt. Die große Show-Nummer heißt Siri AI: eine komplett neue Siri, die direkt in Spotlight steckt, auf Mails, Nachrichten und Fotos zugreift und Aufgaben quer durch Apps erledigt. Deine Gespräche mit ihr landen in einer eigenen Siri-App, synchronisiert über iCloud. Einige Sprachfunktionen, etwa die ausdrucksstärkere Stimme und die erweiterte Diktierfunktion, verlangen allerdings mindestens einen M3-Chip und 12 GB Arbeitsspeicher.
Dazu kommt Feinschliff am umstrittenen Liquid-Glass-Design. Ein Schieberegler regelt jetzt, wie durchsichtig die Glaseffekte sein sollen, von maximal transparent bis deutlich getönt. Symbolleisten sehen in allen Apps einheitlich aus, Fenster bekommen überall denselben Eckenradius, und aktive Fenster erkennst du dank überarbeiteter Schatten schneller.
Unterm Strich ist Golden Gate ein Wartungsjahr. heise online brachte es schon zur Vorstellung auf den Punkt: „Statt vieler neuer Funktionen setzt Golden Gate auf Produktpflege.“ Genau das hätten sich viele schon von Tahoe gewünscht. Das ist eigentlich ein Argument fürs Update. Eigentlich.
Plane übrigens Platz ein. Nutzer im MacRumors-Forum berichten von rund 27 GB Download beim Sprung von Tahoe, Kompatibilitätsratgeber empfehlen etwa 35 GB freien Speicher.
Intel-Macs bleiben draußen
Die erste Hürde ist simpel: Golden Gate läuft ausschließlich auf Macs mit Apple-Chip. Das älteste unterstützte Gerät ist ein Mac mit M1 aus dem Jahr 2020, also MacBook Air, MacBook Pro oder Mac mini. Neu auf der Liste steht das MacBook Neo mit A18-Pro-Chip, obwohl es kein M im Namen trägt.
Alle Intel-Macs bleiben bei macOS 26 Tahoe stehen, selbst die letzten Modelle von 2019 und 2020. Das trifft ausgerechnet die Nutzer, die von den Fehlerkorrekturen in Golden Gate am meisten profitiert hätten. Wie lange Apple Tahoe noch mit Sicherheitsupdates versorgt, hat das Unternehmen nicht verbindlich gesagt. Die Erfahrung der letzten Jahre spricht für mindestens ein weiteres Jahr.
Ob dein Mac mitfährt, siehst du in zehn Sekunden: Apple-Menü, „Über diesen Mac“, Zeile „Chip“. Steht dort Apple M1 oder neuer beziehungsweise A18 Pro, bist du dabei. Steht dort Intel Core i5, i7 oder i9, hat Apple die Entscheidung für dich getroffen.
Rosetta sitzt auf gepackten Koffern
Jetzt zum Faktor, den viele übersehen. Rosetta 2 ist die Übersetzungsschicht, mit der Apple-Silicon-Macs Programme ausführen, die noch für Intel-Prozessoren gebaut wurden. Golden Gate ist die letzte macOS-Version, die Rosetta voll unterstützt. Mit macOS 28, erwartet im Herbst 2027, öffnen die meisten Intel-Apps nicht mehr. Ausnahmen will Apple nur für einige nicht mehr gepflegte Spiele machen.
Golden Gate warnt dich deshalb bei jedem Neustart und bei jedem Start einer betroffenen App. Nervig, aber nützlich. Noch nützlicher ist die neue Übersicht unter Systemeinstellungen > Allgemein > Info > Intel-basierte Apps > Details. Diese Liste ist ab sofort deine To-do-Liste für die nächsten zwölf Monate.
Und dann gibt es noch einen ärgerlichen Nebeneffekt: Auf manchen Macs fehlt Rosetta nach dem Upgrade schlicht. Der Softwarehersteller MSU spricht von einem Fehler im Betriebssystem und rät, Rosetta von Hand nachzuinstallieren. Der Kassensoftware-Anbieter Phorest beschreibt das Symptom genauer: Belegdrucker verweigern den Dienst, im Druckcenter steht „Software nicht kompatibel“, weil der Treiber noch auf Rosetta angewiesen ist. Die Lösung dauert Sekunden. Terminal öffnen und diesen Befehl eingeben:
softwareupdate --install-rosetta
Wenn nach dem Update also ein Gerät oder Programm streikt, das vorher lief, ist das der erste Handgriff, bevor du stundenlang Treiber neu installierst.
Drucker, Scanner und andere Diven
Die meisten Hilferufe der ersten zwei Wochen drehen sich um Peripherie, und HP-Besitzer trifft es bisher am häufigsten. Neben dem eingangs erwähnten M1005 meldet ein Nutzer mit LaserJet M1132 MFP, dass unter macOS 26 alles lief und nach dem Update gar nichts mehr. Ein Besitzer eines ENVY 7640 konnte keine Pages-Dokumente mehr drucken, PDFs dagegen schon. Der britische Händler Printerbase hat solche Fälle gesammelt und festgestellt: Für manche alten Modelle existiert schlicht kein aktueller Treiber mehr.
Brother hat als bisher einziger großer Hersteller eine eigene Golden-Gate-Stellungnahme veröffentlicht. Viele Modelle stehen dort allerdings noch auf „wird geprüft“. Epson, Canon und HP pflegen ihre allgemeinen Kompatibilitätsseiten, eine Golden-Gate-spezifische Aussage fehlte bei Redaktionsschluss.
Die gute Nachricht: Drucker, die AirPrint beherrschen, drucken in der Regel auch ohne Herstellertreiber weiter. Was dann fehlt, sind die Extras aus der Herstellersoftware. Bei Scannern sieht es schwieriger aus. OCR, automatische Dateibenennung oder Cloud-Upload hängen fast immer an Spezialsoftware. Ricoh prüft seine ScanSnap-Software noch. Wer seine Buchhaltung über einen Dokumentenscanner abwickelt, sollte hier nicht zuerst klicken und dann fragen.
Und falls in deinem Regal noch eine Time Capsule steht: Golden Gate unterstützt sie nicht mehr als Backup-Ziel. Wie schnell Backup-Setups kippen können, zeigte schon das Vorjahr. Unter Tahoe hakte Time Machine mit Synology-NAS-Systemen, und zwar erst spät im Release-Zyklus.
Wer ist startklar? Eine Momentaufnahme
Die folgende Übersicht fasst den Stand Ende September 2026 zusammen, nach Angaben der Hersteller und von Fachmedien. Sie ändert sich fast täglich. Prüfe vor dem Update also immer die aktuelle Seite deines Herstellers.
| Software / Hardware | Stand unter macOS 27 Golden Gate |
|---|---|
| Parallels Desktop | Grundfunktionen laufen, bestehende Windows-, Linux- und macOS-VMs starten |
| CrossOver | Finale Freigabe stand zuletzt aus; CrossOver 27 streicht die Unterstützung für 32-Bit-Bottles |
| DisplayLink Manager | Angepasste Version verfügbar |
| Microsoft 365 | Unterstützung erwartet, offizielle Zertifizierung stand Mitte September noch aus |
| Adobe Creative Cloud | Unterstützung erwartet, offizielle Zertifizierung stand Mitte September noch aus |
| Logic Pro, Ableton Live, Pro Tools, Bitwig | Laut Branchenberichten von Anfang an unterstützt |
| Native Instruments (Hard- und Software) | Noch nicht freigegeben, Hersteller rät vom Update ab |
| Moog (Hard- und Software) | Noch nicht freigegeben, Hersteller rät vom Update ab |
| Focusrite | Hersteller rät derzeit vom Update ab |
| Eventide / Newfangled Audio | Probleme in Tests gefunden, Korrektur in Arbeit |
| GForce-Instrumente | Laut Hersteller keine Bedenken |
| Ricoh ScanSnap | Wird noch geprüft |
| Brother-Drucker und -Scanner | Stellungnahme veröffentlicht, viele Modelle noch in Prüfung |
| Ältere HP LaserJets (z. B. M1005) | Kein Treiber für macOS 27 verfügbar |
| AirPrint-Drucker allgemein | Drucken meist weiter, Zusatzfunktionen der Herstellersoftware ungewiss |
Ein Detail aus dieser Liste verdient einen zweiten Blick. Die Musikbranche zeigt exemplarisch, wo es klemmt: Die großen Programme laufen, aber einzelne Plug-ins kleinerer Entwickler, die ihre Software nicht mehr aktiv pflegen, bremsen ganze Studios aus. Übertrag das auf deinen Arbeitsalltag. Das Problem ist selten Word. Es ist das kleine Tool, das seit 2019 niemand mehr aktualisiert hat und ohne das deine Rechnungsstellung nicht funktioniert.
Die Checkliste für's Wochenende
Bevor du auf „Jetzt aktualisieren“ klickst, nimm dir eine Stunde. Mehr braucht es nicht.
- Chip prüfen. Apple-Menü, „Über diesen Mac“. Intel heißt: Thema erledigt, Umstieg planen.
- Rosetta-Liste lesen. Schon unter Tahoe siehst du im Aktivitätsmonitor in der Spalte „Art“, welche Apps als Intel laufen. Jede davon ist ein Kandidat für Ärger im nächsten Jahr.
- Inventur machen. Schreib auf, was du wirklich täglich brauchst: Apps, Plug-ins, VPN-Client, Backup-Software, Buchhaltung, Drucker, Scanner, Dockingstation, externe Monitore.
- Herstellerseiten abklappern. „Läuft auf Apple Silicon“ heißt nicht automatisch „läuft unter Golden Gate“. Tools, die tief ins System eingreifen oder direkt mit Hardware sprechen, sind anfälliger als eine schlichte App aus dem App Store.
- Backup anlegen und testen. Ein Downgrade auf Tahoe bedeutet in der Praxis: Mac löschen, altes System installieren, Backup zurückspielen. Ohne funktionierendes Backup gibt es keinen Rückweg.
- Automatik zügeln. In den Einstellungen zur Softwareaktualisierung kannst du die automatische Installation von macOS-Updates abschalten. Sicherheitsupdates dürfen trotzdem weiter automatisch kommen.
- Im Team koordinieren. Wer Macs per Geräteverwaltung (MDM) betreut, kann große Upgrades zentral zurückhalten. Wer das nicht tut, sollte zumindest eine Rundmail schreiben, bevor die Kollegin mit dem wichtigsten Scanner des Büros neugierig wird.
Und falls du schon aktualisiert hast: Gib dem Mac nach dem Upgrade ein, zwei Tage Zeit. Spotlight indiziert neu, die Fotomediathek wird verarbeitet, iCloud gleicht ab. Ein träger Mac in den ersten Stunden ist normal. Ein Programm, das gar nicht mehr startet, nicht. Dann zuerst Rosetta nachinstallieren, siehe oben.
Jetzt oder später? Eine ehrliche Faustregel
Nutzt du deinen Mac privat, hast ein frisches Backup und willst Siri AI ausprobieren? Dann los. Kleinere Macken der Version 27.0 wirst du verkraften, und die ersten Nachbesserungen kommen erfahrungsgemäß innerhalb weniger Wochen.
Verdienst du mit dem Mac dein Geld, sieht die Rechnung anders aus. Das IT-Systemhaus MSU berichtet von ersten Anwendermeldungen über fehlerhafte Fensterverwaltung, Darstellungsprobleme in Finder, Dock und Spotlight sowie abstürzende Programme, und rät Firmen klar vom produktiven Einsatz ab. Ein Mac-Supporter empfiehlt seinen Geschäftskunden in seinem Blog sogar, mit großen macOS-Upgrades grundsätzlich bis April oder Juni des Folgejahres zu warten.
So lange muss es nicht immer sein. Ein vernünftiger Mittelweg: Warte, bis zwei Bedingungen erfüllt sind. Erstens hat jeder Hersteller auf deiner Inventurliste Golden Gate offiziell freigegeben. Zweitens ist mindestens das erste größere Punkt-Update erschienen. Vorher bist du nicht Nutzer, sondern Betatester ohne Vertrag.
Die eigentliche Deadline liegt ein Jahr weiter
Das Spannende an Golden Gate ist am Ende gar nicht Golden Gate. Es ist das, was danach kommt. Mit macOS 28 im Herbst 2027 zieht Apple Rosetta weitgehend den Stecker, und dann hilft kein Abwarten mehr. Dann läuft die alte Intel-Software einfach nicht.
Golden Gate ist also die letzte Brücke, auf der dein alter Code noch rüber darf. Lass dir mit dem Überqueren ruhig ein paar Wochen Zeit. Aber nutz den Übergang, um auszusortieren, was du auf der anderen Seite nicht mehr brauchst. Dort wartet nämlich niemand mehr mit einem Übersetzer.
Quellen:
- 9to5Mac: macOS 27 Release Notes
- MacRumors: macOS Golden Gate Roundup
- MacRumors: What's Gone in macOS Golden Gate
- Wikipedia (de): macOS Golden Gate
- Apple Support: Kompatible Macs
- Macworld: Compatibility List
- MacHow2: Apps & Peripherals Compatibility
- Printerbase: Known Printer Issues
- Printerbase: Compatible Printers
- HP Community: LaserJet M1005
- Phorest Support: Receipt printer & Rosetta
- MSU: macOS 27 Golden Gate Probleme
- gearnews: Updaten oder warten?
- macOSaudio: Audio-Kompatibilität
- jocr Blog: Bitte nicht sofort installieren
- MacRumors Forum: macOS 27.0
26.09.2026
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