Aktuelles

Tesla + SpaceX: Elon Musk fusioniert mit sich selbst zum größten Deal aller Zeiten

Tesla und SpaceX prüfen offiziell eine Fusion. Elon Musk findet das „eine gute Idee“ – und sitzt angeblich trotzdem nicht mit am Verhandlungstisch. Was hinter dem größten Deal der Wirtschaftsgeschichte steckt, wer davon profitiert und warum Washington, Peking und die US-Midterms plötzlich mitreden.

Eins muss man Elon Musk lassen: Er hat ein ausgeprägtes Talent dafür, Geschäfte mit sich selbst abzuschließen. Erst schluckte Tesla 2016 den Solaranbieter SolarCity, der praktischerweise von Musks Cousins geführt wurde. Dann verleibte sich das KI-Startup xAI im März 2025 die Plattform X ein. Im Februar 2026 ging xAI wiederum in SpaceX auf. Und jetzt soll offenbar das große Finale folgen: Tesla und SpaceX unter einem Dach. Wer da noch an Zufall glaubt, glaubt auch, dass Cybertrucks aerodynamisch sind.

Elon Musk

Was bisher offiziell ist - und was nicht

Am 20. Oktober 2026, bei der Telefonkonferenz zu den SpaceX-Quartalszahlen, bestätigte Musk erstmals formell: Beide Unternehmen haben Sonderausschüsse aus unabhängigen Verwaltungsratsmitgliedern eingesetzt, die einen möglichen Zusammenschluss prüfen sollen. Das sei auf Wunsch von Aktionären geschehen. Musk selbst sei als „befangene Partei“ nicht an den Gesprächen beteiligt, was ihn allerdings nicht davon abhielt, die Fusion im selben Atemzug öffentlich für eine gute Idee zu erklären. Er fühle sich bei dem Thema, sagte er sinngemäß, wie beim Steptanz durchs Minenfeld.

Ein Steptanz, bei dem man vorher laut ankündigt, wohin man treten möchte. Genau das sorgt hinter den Kulissen offenbar für Ärger: Laut Reuters befürchten mit den Gesprächen vertraute Personen, dass Musks öffentliche Unterstützung Fragen aufwirft, wie gut die Interessen der Tesla-Aktionäre in diesem Prozess tatsächlich vertreten werden und den Zeitplan möglicherweise um Wochen verzögern könnte. SpaceX stellte zudem klar, dass ein Deal am Ende trotzdem Musks Zustimmung als kontrollierendem Investor braucht. Befangen, aber unverzichtbar. Ein bemerkenswertes Konzept.

Vereinbart ist bislang nichts. Diskutiert werden laut Berichten drei Varianten: eine Übernahme von Tesla durch SpaceX, eine neue gemeinsame Holding oder eine reine Aktienlösung. Bloomberg zufolge soll ein Deal im ersten Halbjahr 2027 angekündigt und vor dem Ende von Donald Trumps Amtszeit im Januar 2029 abgeschlossen werden. Merken Sie sich dieses Datum, es wird weiter unten noch wichtig.

Die Dimension: Mannesmann war gestern

Zusammen kämen die beiden Konzerne auf einen Börsenwert von rund 3,5 Billionen Dollar. SpaceX steuert etwa 2 Billionen bei, Tesla knapp 1,5 Billionen. Zum Vergleich: Die bis heute oft als Rekord genannte Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000 lag bei umgerechnet rund 190 Milliarden Euro. Damals sprach Deutschland wochenlang von einer feindlichen Übernahme. Heute wäre dieses Volumen eine Rundungsdifferenz.

Kennzahl Tesla SpaceX
Börsenwert (ca.) 1,5 Billionen US-Dollar 2 Billionen US-Dollar
Musks Kapitalanteil rund 20 % rund 45–48 %
Musks Stimmrechte rund 20 % über 80 %
Q3 2026: Umsatz 28,05 Mrd. US-Dollar (stagnierend) +161 % zum Vorjahr
Q3 2026: Gewinn 787 Mio. US-Dollar (?43 %) 4,4 Mrd. US-Dollar (erster Quartalsgewinn seit Börsengang)
Kerngeschäft E-Autos, Energiespeicher, FSD, Robotaxi, Optimus Raketenstarts, Starlink, KI (xAI), Regierungsaufträge
Hürde für eine Fusion Zustimmung von 50 % aller Aktien faktisch Musks Zustimmung

Die Zahlen erzählen eine eigene Geschichte

Man muss kein Börsenguru sein, um zu sehen, warum der Zeitpunkt interessant ist. SpaceX legte im dritten Quartal ein Umsatzplus von 161 Prozent hin, das KI-Geschäft wuchs Berichten zufolge um das Neunfache, und erstmals seit dem Rekord-Börsengang im Juni stand ein Gewinn unter dem Strich. Die Aktie hüpfte nachbörslich um rund acht Prozent nach oben.

Tesla dagegen meldete einen Tag später einen um 43 Prozent eingebrochenen Nettogewinn bei stagnierendem Umsatz, das operative Ergebnis brach um mehr als die Hälfte ein. Die Auslieferungen sanken leicht. Gleichzeitig verschlingen Robotaxi, Optimus-Roboter und KI-Rechenleistung Milliarden. In einem gemeinsamen Konzern würde das SpaceX-Wachstum die schwächelnde Autosparte bequem überstrahlen. Ob das für Tesla-Aktionäre ein Geschenk oder ein Verdünnungsrisiko ist, hängt am Umtauschverhältnis. Genau darüber streiten die Analysten bereits.

Das Argument der Befürworter: Synergien, Synergien, Synergien

Musks Begründung ist simpel: Was Tesla macht, braucht SpaceX und umgekehrt. Beide Unternehmen arbeiten bereits gemeinsam an Terafab, einer gigantischen KI-Chipfabrik in Texas. Teslas selbstfahrende Autos und Optimus-Roboter könnten von der Rechenleistung profitieren, die SpaceX aufbaut, inklusive der angekündigten Rechenzentren im Orbit, deren Machbarkeit Fachleute allerdings bezweifeln. Starlink liefert Konnektivität, Tesla-Batterien könnten den Energiehunger der SpaceX-Infrastruktur stillen.

An der Wall Street kommt das gut an. Der notorisch optimistische Tech-Analyst Dan Ives sieht eine Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent für eine Fusion im kommenden Jahr, Gene Munster von Deepwater spricht sogar von 95 Prozent binnen zwei Jahren. Barclays hält eine Übernahme von Tesla durch SpaceX mit eigenen Aktien für das wahrscheinlichste Szenario. Für viele Investoren ist die Frage längst nicht mehr ob, sondern wann und zu welchem Preis.

Ein weiterer, ganz pragmatischer Punkt: Unter einem Dach könnte Musk Ingenieure, Chips und Ressourcen frei zwischen den Bereichen verschieben, ohne dass jedes Mal Offenlegungspflichten und Klagen wegen Geschäften mit nahestehenden Unternehmen drohen. Was Befürworter Effizienz nennen, nennen Kritiker den Wegfall lästiger Kontrolle.

Wie Musk persönlich profitieren würde

Und hier wird es spannend. Musk hält bei Tesla nur rund ein Fünftel der Anteile. Schon seit 2024 betont er öffentlich, er fühle sich unwohl dabei, Tesla zu einem KI- und Robotikkonzern umzubauen, ohne mindestens 25 Prozent der Stimmrechte zu kontrollieren. Bei SpaceX hingegen hat er dank Aktien mit Mehrfachstimmrecht über 80 Prozent der Stimmen in der Hand. Analysten sind sich weitgehend einig: Eine Fusion würde ihm die Kontrolle über den kombinierten Konzern sichern, die er bei Tesla nie hatte.

Dazu kommt das Geld. Teslas Vergütungspaket für Musk - also jenes, das Aktionäre im vergangenen Jahr gegen erheblichen Widerstand von Pensionsfonds und Governance-Experten durchwinkten - behandelt laut Berichten viele Leistungsziele als erreicht, wenn bestimmte Arten von Fusionen zustande kommen. Übersetzt: Der reichste Mensch der Welt könnte durch einen Deal, den er offiziell gar nicht verhandeln darf, noch reicher werden. Man muss das nicht skandalös finden, aber man darf zumindest eine Augenbraue heben.

Die große Hürde: Bei Tesla braucht eine Fusion die Zustimmung von 50 Prozent aller ausstehenden Aktien, nicht nur der abgegebenen Stimmen. Musk selbst nennt das eine hohe Hürde. Historisch sind die Tesla-Aktionäre ihm allerdings ziemlich zuverlässig gefolgt. Die nächste Hauptversammlung findet am 3. Dezember statt.

Die politische Dimension: Ein Deal mit eingebauter Stoppuhr

Jetzt zurück zum Januar 2029. Dass ein Abschluss ausgerechnet vor dem Ende von Trumps Amtszeit angepeilt wird, ist kein Detail, sondern womöglich der Kern der Sache. Musk leitete 2025 die umstrittene Sparoffensive der Regierung, überwarf sich dann öffentlich und spektakulär mit dem Präsidenten - inklusive Drohungen, SpaceX die Regierungsaufträge zu entziehen. Inzwischen haben sich die beiden versöhnt: Musk ist in die Regierung zurückgekehrt, soll eine Pentagon-Studie mitleiten und erhielt Anfang Oktober aus Trumps Händen die National Medal of Science. Außerdem ist er laut seinem Super PAC der größte bekannte Einzelspender für republikanische Kandidaten bei den Midterms am 3. November. Über 276 Millionen Dollar landeten seit Juli in der Spendendose.

Analysten gehen deshalb davon aus, dass Musks enges Verhältnis zu Trump regulatorische Hürden in den USA weitgehend aus dem Weg räumen dürfte. Kartellrechtlich sehen Experten ohnehin wenig Probleme, weil Autos und Raketen kaum um dieselben Kunden konkurrieren. Ein Fellow der konservativen Denkfabrik American Enterprise Institute brachte es auf den Punkt: Ein Deal würde wohl Zusagen zur Trennung der Bereiche enthalten - nur bezweifle er, dass die aktuelle Regierung diese auch durchsetzen würde.

Die Demokraten sehen das naturgemäß anders. Senator Cory Booker warnte umgehend vor erheblichen Risiken, die Kartellbehörden weltweit prüfen würden. Sollten die Demokraten bei den Midterms das Repräsentantenhaus übernehmen, drohen dem Deal Untersuchungsausschüsse und politische Dauerbeschallung. SpaceX selbst hatte in seinen Börsenunterlagen gewarnt, dass ein Machtwechsel im Kongress erhebliche negative Folgen für das eigene Wachstum haben könnte. Musk verknüpft also mit seinen Wahlkampfspenden sehr direkt Politik und Geschäftsinteressen. Befürworter sehen darin legitime politische Teilhabe, Kritiker eine bedenkliche Vermischung.

Das China-Problem, über das niemand gern redet

Die vielleicht heikelste Frage stellt sich nicht in Washington, sondern in Peking. Eine Fusion würde einen der wichtigsten Rüstungs- und Raumfahrtpartner der US-Regierung mit einem der am stärksten von China abhängigen US-Industriekonzerne verschmelzen. Tesla produziert einen großen Teil seiner Fahrzeuge in Shanghai, und chinesische Behörden verlangen, dass Fahrdaten aus den Assistenzsystemen im Land bleiben. Ein Konzern, der gleichzeitig Militärsatelliten für das Pentagon baut und von Pekings Wohlwollen abhängt? Da dürften Sicherheitsbehörden auf beiden Seiten des Pazifiks mit Argusaugen hinschauen.

Experten erwarten, dass China einen solchen Deal als Verhandlungsmasse nutzen würde. Auch Südkorea hat bereits eine vertiefte Prüfung signalisiert, und Wettbewerbsjuristen halten Auflagen für denkbar, etwa die Pflicht, Schlüsseltechnologien an Konkurrenten zu lizenzieren. Im Extremfall, so ein Analyst, müsste Tesla seine China-Produktion zurückfahren. Dass die EU-Kommission bei einem Konzern, der Autos, KI, Satelliteninternet und soziale Medien unter einem Dach vereint, ebenfalls Gesprächsbedarf anmelden dürfte, versteht sich fast von selbst.

Was das für Europa und für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger mit Tesla-Aktien im Depot gilt vorerst: abwarten. Ob am Ende zwei Papiere, eines oder ein Holding-Titel im Depot liegen, entscheidet die noch völlig offene Struktur. Belastbar wird es erst, wenn die Sonderausschüsse ein Umtauschverhältnis vorlegen. Bis dahin ist die Fusion vor allem eines: ein Unsicherheitsfaktor mit viel Fantasie.

Für Europa ist die Sache grundsätzlicher. Ein privat kontrollierter Konzern, der gleichzeitig Satelliteninternet für Kriegsgebiete, Raketenstarts, KI-Modelle, eine globale Kommunikationsplattform und Hunderttausende vernetzte Fahrzeuge kontrolliert, wäre eine Machtkonzentration, für die es kaum einen historischen Vergleich gibt. Wer schon bei Starlink in der Ukraine die Frage nach digitaler Souveränität gestellt hat, wird sie hier noch lauter stellen müssen.

Genial, gefährlich oder einfach nur konsequent?

Je nachdem, wen man fragt, ist die Tesla-SpaceX-Fusion der logische Schritt zu einem vertikal integrierten KI-Giganten oder der Höhepunkt eines Firmengeflechts, in dem die Grenzen zwischen Unternehmensinteresse, Privatvermögen und Politik endgültig verschwimmen. Die Befürworter haben gute Argumente: echte technologische Überschneidungen, gemeinsame Chipfertigung, ein wachstumsstarker Partner für eine schwächelnde Autosparte. Die Kritiker allerdings auch: Interessenkonflikte, nationale Sicherheit, China-Abhängigkeit und ein Zeitplan, der sich auffällig an Amtszeiten orientiert.

Sicher ist nur: Entschieden ist noch nichts, und Musk selbst warnt davor, den Deal für ausgemacht zu halten. Glaubt man allerdings der Wall Street, ist das in etwa so wahrscheinlich wie ein Musk-Post ohne Ausrufezeichen. Wir bleiben dran. Wenn die Ausschüsse ihre Zahlen auf den Tisch legen, sehen wir weiter.

Foto: ©James Duncan Davidson CC BY-NC 3.0

23.10.2026

RSS Newsfeed
Alle News vom TAGWORX.NET Neue Medien können Sie auch als RSS Newsfeed abonnieren, klicken Sie einfach auf das XML-Symbol und tragen Sie die Adresse in Ihren Newsreader ein!