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Custom GPTs vor dem Aus

Warum Sie beim Umzug lieber selbst die Kisten packen

OpenAI schaltet Custom GPTs abWer dieser Tage in ChatGPT auf „Meine GPTs“ klickt, sieht ein freundliches Banner. Darauf ein Button: „Zu Plugin migrieren“. Ein Klick, ein paar Bestätigungen, fertig ist der Umzug. Bequemer zieht niemand um. Und genau da liegt der Haken: Wer die Umzugsfirma alles einpacken lässt, findet in der neuen Wohnung womöglich Dinge wieder, die er nie mitnehmen wollte. Zum Beispiel den Zweitschlüssel zum eigenen Postfach.

OpenAI schafft die Custom GPTs ab. Die kleinen Spezialassistenten, die seit Ende 2023 in unzähligen Büros Pressemitteilungen glätten, Angebote vorformulieren oder das interne Handbuch durchsuchen, haben ein Ablaufdatum. Nachfolger stehen bereit: Skills und Plugins. Beide klingen ähnlich, funktionieren aber grundverschieden. Und wer jetzt die falsche Abkürzung nimmt, verschenkt Kontrolle.

Ein Abschied in mehreren Etappen

Am 11. September 2026 hat OpenAI das Aus offiziell verkündet. Laut dem Hilfe-Center des Unternehmens hören Custom GPTs am 11. Dezember 2026 auf zu laufen und verschwinden aus dem GPT-Verzeichnis. Das betrifft alle ChatGPT-Tarife.

Der Weg dorthin verlief allerdings nicht für alle gleich:

  • Private Konten (Free, Go, Plus, Pro): Hier ist der Baukasten schon länger zu. Seit August 2026 lassen sich auf privaten Accounts keine neuen GPTs mehr erstellen oder veröffentlichen. Bestehende GPTs laufen weiter und lassen sich zum Teil noch bearbeiten.
  • Enterprise-Workspaces: Für sie war der 26. Oktober 2026 der Stichtag. Seitdem entstehen dort keine neuen GPTs mehr. Bestehende, noch nicht migrierte GPTs dürfen Admins und Ersteller weiter bearbeiten.
  • Gnadenfrist: FedRAMP-Workspaces und Enterprise-Kunden mit genehmigtem Aufschub dürfen bis zum 11. Februar 2027 weitermachen - aber wir wissen alle, wie schnell die Zeit vergeht.

Eine gute Nachricht gibt es auch: Alte Unterhaltungen mit einem GPT bleiben nach dem Stichtag lesbar. Nur neue Gespräche mit dem GPT sind dann nicht mehr möglich.

Ein GPT war eine Wohnung, ein Skill ist ein Umzugskarton

Um zu verstehen, was da eigentlich verschwindet, lohnt ein Blick zurück. Ein Custom GPT war ein geschlossener Container. Er bündelte fünf Dinge an einem Ort: eigene Anweisungen, bis zu 20 Wissensdateien, Fähigkeiten wie Websuche oder Bildgenerierung, optionale „Actions“ zu externen APIs und ein paar Gesprächsstarter. Dazu kam ein eigener Link, über den andere das GPT nutzen konnten, auch ohne zum eigenen Team zu gehören. Jedes GPT war ein eigener Spezialist mit eigenem Schreibtisch.

Ein Skill funktioniert anders. Er ist im Kern ein Ordner. Darin liegt eine Datei namens SKILL.md mit einer kurzen Beschreibung und den eigentlichen Anweisungen. Daneben können Referenzdateien, Beispiele oder kleine Skripte liegen. Der Clou: ChatGPT lädt einen Skill nicht ständig mit, sondern nur dann, wenn eine Anfrage zur Beschreibung passt. Und selbst dann liest es Zusatzdateien erst, wenn es sie wirklich braucht. Das spart Kontext und sorgt dafür, dass mehrere Skills nebeneinander existieren können, ohne sich ins Gehege zu kommen.

Statt eines separaten Assistenten bekommt also ein und dieselbe KI einen Werkzeugkasten voller Spezialwissen. Das Fachmagazin Visual Studio Magazine bringt es auf eine griffige Formel: GPTs waren getrennte Spezialisten, Plugins geben derselben KI eine Kiste voller Fertigkeiten.

Bemerkenswert für alle, die sich ungern an einen Anbieter ketten: OpenAI orientiert sich bei Skills am offenen Agent-Skills-Standard. Ein sauber gebauter Skill-Ordner ist im Grunde eine Markdown-Datei mit Anhang. Die kann man versionieren, archivieren und notfalls auch in anderen KI-Werkzeugen weiterverwenden, die dasselbe Format verstehen.

Plugins: der Werkzeugkasten mit Schlüsselbund

Ein Plugin ist eine Ebene darüber angesiedelt. Es ist eine Verpackung, die einen oder mehrere Skills mit sogenannten Apps kombiniert. Apps sind die Verbindungen zu externen Diensten: Gmail, Google Kalender, Google Drive, SharePoint, GitHub, HubSpot und so weiter. Über eigene MCP-Server lassen sich zusätzlich beliebige Schnittstellen andocken. ChatGPT und OpenAIs Coding-Agent Codex teilen sich dabei ein gemeinsames Plugin-Verzeichnis.

Wer schon länger dabei ist, reibt sich verwundert die Augen. „Plugins“ gab es in ChatGPT schon einmal, 2023. Dann kamen die Custom GPTs und lösten sie ab, als die einfachere Variante für alle ohne Programmierkenntnisse. Jetzt dreht OpenAI das Rad zurück, allerdings mit einer deutlich breiteren Architektur als damals.

Der Unterschied auf einen Blick:


Custom GPT Skill Plugin
Was ist das? Eigenständiger Assistent mit eigener Seite Ordner mit Anleitung (SKILL.md) und Referenzdateien Paket aus einem oder mehreren Skills plus Apps
Wann aktiv? Wenn man das GPT gezielt öffnet Automatisch, wenn die Anfrage zur Beschreibung passt Nach Installation, per @-Erwähnung oder automatisch
Wissen Bis zu 20 Wissensdateien Referenzdateien, bei Bedarf nachgeladen Über die enthaltenen Skills
Externe Dienste Apps oder eigene Actions (OpenAPI) Keine Apps und MCP-Server, etwa Mail, Kalender, Cloud-Speicher
Zugriff auf persönliche Daten Nur, wenn bewusst eingerichtet Keiner Je nach verbundenen Apps
Status Läuft am 11. Dezember 2026 aus Verfügbar, offizieller Fokus auf Business, Enterprise, Healthcare, Edu Von OpenAI empfohlener Nachfolger

Warum der Ein-Klick-Umzug Nebenwirkungen hat

OpenAIs eingebauter Migrationsassistent macht Folgendes: Aus den Anweisungen des GPT wird ein Skill, die Wissensdateien landen als Referenzdateien im neuen Plugin, und verbundene Apps werden gleich mit übernommen. Was nicht mitkommt, ist fast ebenso interessant: Eigene Actions gehen verloren, das gewählte Modell ebenfalls, Gesprächsstarter werden nicht eins zu eins übertragen, und Freigaben müssen neu gesetzt werden. Ein migriertes Plugin startet privat.

Dazu kommen zwei Details, die Sie kennen sollten, bevor Sie klicken. Erstens zieht der Assistent nur die zuletzt veröffentlichte Version um. Entwürfe bleiben auf der Strecke. Zweitens friert OpenAI das Original nach der Migration ein. Das alte GPT läuft bis zum Stichtag weiter, ist dann aber schreibgeschützt und lässt sich vom Ersteller nicht einmal mehr löschen. Ein Zurück gibt es also nicht.

Das eigentliche Risiko steckt aber in den Apps. Ein Skill ist ein Stück Text. Er liest keine Mails und verschiebt keine Termine. Ein Plugin mit verbundenem Gmail- oder Kalender-Zugang kann genau das. Und hier wird es heikel, denn KI-Assistenten mit Zugriff auf persönliche Daten haben ein bekanntes Problem: Prompt Injection. Dabei versteckt ein Angreifer Anweisungen in Inhalten, die die KI später liest, etwa in einer Webseite, einem Dokument oder einer Kalendereinladung.

Das ist keine Theorie. Ein Sicherheitsforscher zeigte im September 2025, wie eine präparierte Google-Kalendereinladung ChatGPT dazu bringen konnte, private Mails auszulesen, sobald die Google-Connectoren aktiv waren. Im September 2026 veröffentlichte Check Point Research eine weitere Lücke, über die eingeschleuste Anweisungen Gmail-Daten aus der Sitzung eines anderen Nutzers abgreifen konnten. Berichten zufolge laufen Lesezugriffe über verbundene Apps standardmäßig ohne Rückfrage, nachgefragt wird erst bei Aktionen mit Außenwirkung.

OpenAI selbst nimmt das Thema ernst. Die eigene Dokumentation warnt ausdrücklich vor Prompt Injection, wenn Apps im Spiel sind, und empfiehlt, nicht benötigte Apps abzuschalten. Fairerweise muss man sagen: Die Installation eines Plugins autorisiert dessen Apps nicht automatisch. Nutzer müssen ihre Konten weiterhin selbst verbinden. Trotzdem gilt die alte Admin-Regel: Jede Berechtigung, die nicht zwingend nötig ist, ist eine zu viel. Wer seinen Text-Assistenten per Knopfdruck in ein Paket mit Mail- und Kalenderzugriff verwandelt, macht das Gegenteil davon.

Für die meisten GPTs da draußen gilt: Sie bestanden aus Anweisungen und ein paar PDFs. Für genau diesen Fall ist ein schlanker Skill die passende Antwort, kein Plugin mit Schlüsselbund.

Der saubere Umzug in acht Schritten

  1. Bestand aufnehmen. Öffnen Sie „Meine GPTs“ und listen Sie alle GPTs auf, die Sie wirklich noch nutzen. Notieren Sie für jedes: Zweck, Nutzerkreis, Wissensdateien, aktivierte Fähigkeiten, verbundene Apps und eventuelle Actions. Ehrliche Frage dabei: Brauchen Sie dieses GPT noch, oder war es ein Experiment aus dem Frühjahr 2024?
  2. Alles sichern, bevor Sie irgendetwas klicken. Öffnen Sie jedes GPT im Editor unter „Konfigurieren“. Kopieren Sie Name, Beschreibung, Anweisungen und Gesprächsstarter in eine Textdatei. Legen Sie die Original-Wissensdateien aus Ihrer eigenen Ablage daneben. Nutzt das GPT Actions, sichern Sie das OpenAPI-Schema und notieren Sie, welche Dienste dahinterhängen. Wichtig: Diese Sicherung ist Ihr einziges Backup. Auf den „Migrieren“-Button verzichten Sie bewusst, damit das Original bearbeitbar bleibt.
  3. Referenzantworten festhalten. Stellen Sie dem alten GPT drei bis fünf typische Aufgaben, darunter eine schwierige. Speichern Sie die Antworten. Sie sind später Ihr Maßstab, ob der neue Skill genauso gut arbeitet.
  4. Den Skill-Ordner anlegen. Erstellen Sie einen Ordner mit einem sprechenden Namen in Kleinbuchstaben, etwa pressemitteilung. Darin kommt die Datei SKILL.md. Oben steht ein kurzer Kopfbereich mit Name und Beschreibung, darunter die Anweisungen aus Ihrem GPT. Wissensdateien wandern in einen Unterordner references/. Sehr große Dateien teilen Sie vorher auf.
  5. Die Beschreibung schärfen. Das ist der wichtigste Satz im ganzen Skill. Er entscheidet, wann ChatGPT den Skill aktiviert. Beschreiben Sie konkret, für welche Aufgabe er gedacht ist, nicht, was er „kann“. In der eigentlichen Anleitung verweisen Sie auf die Referenzdateien, damit ChatGPT weiß, wann es sie lesen soll.
  6. Hochladen oder im Editor anlegen. In ChatGPT finden Sie unter „Skills“ den Punkt „Erstellen“. Dort können Sie den Skill im Editor von Hand anlegen oder Ihren gezippten Ordner über „Vom Computer hochladen“ einspielen. ChatGPT prüft hochgeladene Skills, bevor sie verfügbar werden.
  7. Testen, vergleichen, nachschärfen. Spielen Sie Ihre Referenzaufgaben aus Schritt 3 durch und vergleichen Sie die Ergebnisse. Testen Sie auch Anfragen, bei denen der Skill nicht anspringen soll. Springt er zu oft oder zu selten an, liegt das fast immer an der Beschreibung.
  8. Apps nur bei echtem Bedarf. Brauchen Sie für einen Ablauf tatsächlich einen externen Dienst, bauen Sie gezielt ein Plugin mit genau dieser einen App. Verbinden Sie nur die Konten, die zwingend nötig sind, und prüfen Sie die Berechtigungen regelmäßig. Ersatz für alte Actions schaffen Sie über vorhandene Apps oder einen eigenen MCP-Server. Den sollten Sie dann aber auch selbst verantworten können.

So kann eine schlanke SKILL.md aussehen:

--- name: pressemitteilung description: Verwenden, wenn aus Stichpunkten, Notizen oder einem Rohtext eine Pressemitteilung im Stil unserer Agentur entstehen soll. ---  # Pressemitteilung schreiben  1. Lies vorher references/styleguide.md für Tonalität und Formalien. 2. Baue die Meldung nach dem Muster in references/beispiel-pm.md auf. 3. Überschrift maximal 80 Zeichen, erster Absatz beantwortet die W-Fragen. 4. Keine Superlative, keine Füllwörter, aktive Sprache. 5. Schließe mit Boilerplate und Pressekontakt aus references/boilerplate.md. 

Und was ist mit Plus-Nutzern?

Hier wird es unübersichtlich, und das liegt nicht an Ihnen. Offiziell stehen persönliche Skills laut OpenAI für die Tarife Business, Enterprise, Healthcare und Edu zur Verfügung. Plus und Pro tauchen in der Liste nicht auf. Gleichzeitig berichten Nutzer im OpenAI-Forum, dass bei ihnen auf Plus-Konten plötzlich ein Skills-Bereich auftaucht. Ein klarer Migrationstermin für private Konten fehlt in der Dokumentation bislang ebenfalls. Der Rollout ist erkennbar in Bewegung.

Was Sie trotzdem sofort tun können: Schritt 1 bis 4 aus der Anleitung oben. Damit liegt Ihr GPT als sauberer Skill-Ordner auf der Festplatte, egal welche Knöpfe OpenAI in Ihrem Konto freischaltet. Als Übergangslösung eignen sich ChatGPT-Projekte. Dort lassen sich Anweisungen und Dateien hinterlegen, bei Plus bis zu 25 Dateien, bei Pro bis zu 40. Ein vollwertiger Ersatz ist das nicht, aber eine solide Brücke bis zum 11. Dezember und darüber hinaus.

Wer selbst packt, weiß, was in den Kisten ist

Die Ironie dieser Geschichte schreibt sich fast von selbst. OpenAI ersetzt die Custom GPTs ausgerechnet durch Plugins, also durch das Konzept, das die GPTs vor knapp drei Jahren abgelöst hatten. Man kann das als Hin und Her lesen. Man kann darin aber auch eine Chance sehen.

Denn zum ersten Mal liegt das, was Sie Ihrer KI beigebracht haben, nicht mehr nur irgendwo in einem Konfigurationsfenster auf fremden Servern. Es liegt als einfache Datei vor, die Sie lesen, versionieren und mitnehmen können. Diese Eigenständigkeit bekommen Sie allerdings nur, wenn Sie den Umzug selbst in die Hand nehmen. Der bequeme Button packt Ihnen die Kisten. Was drin ist, wissen Sie dann aber erst, wenn Sie sie in der neuen Wohnung wieder öffnen.

Quellen und weitere Informationen

Foto:congerdesign

28.10.2026

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