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1 Petabit pro Sekunde: Japan bricht Glasfaser-Weltrekord

Japan bricht den Glasfaser-WeltrekordManche Zahlen sind einfach zu groß ist, um sie sich wirklich vorstellen zu können. Eine Datenübertragungsrate von 1,02 Petabit pro Sekunde ist so eine Zahl. Was ist das in Kilometer pro Stunde? Spaß beiseite, das wäre Pi mal Daumen genug Bandbreite, um den kompletten Netflix-Katalog innerhalb einer Sekunde zu herunterzuladen. Nicht eine Folge, nicht einen Film - sondern wirklich alles, was Netflix im Regal stehen hat. Genau das ist einem Forschungsteam aus Japan jetzt gelungen, und die Details dahinter sind fast noch interessanter als die nackte Zahl selbst.

Wer steckt hinter dem Rekord

Verantwortlich ist ein Team des japanischen National Institute of Information and Communications Technology, kurz NICT, unter Leitung von Ruben Luis, gemeinsam mit dem Glasfaserhersteller Sumitomo Electric Industries. Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf der Optical Fiber Communication Conference, einer der wichtigsten Fachveranstaltungen für optische Übertragungstechnik weltweit. Kein Zufallstreffer im Labor also, sondern ein Ergebnis, das der Fachwelt vorgelegt und dort geprüft wurde.

Die eigentliche Leistung: Geschwindigkeit und Distanz zugleich

Petabit-Rekorde an sich sind nichts grundsätzlich Neues. Schon im März 2023 hatte dasselbe Institut 1,7 Petabit pro Sekunde geschafft - allerdings nur über eine sehr kurze Strecke. Das Problem bei solchen Rekorden ist meistens: Je schneller die Übertragung, desto kürzer die Strecke, über die sie noch stabil funktioniert. Genau diesen Kompromiss hat das Team jetzt aufgebrochen. 1,02 Petabit pro Sekunde über 1.808 Kilometer - das entspricht ungefähr der Distanz zwischen Berlin und Neapel, je nach Quelle wird auch Lissabon als Vergleich genannt.

Daraus ergibt sich der eigentliche Rekordwert, an dem sich Fachleute orientieren: die Übertragungskapazität pro Kilometer. Hier kommt das Team auf 1,86 Exabit pro Sekunde und Kilometer. Der bisherige Bestwert lag bei 1,71 Exabit, aufgestellt im Oktober 2023 mit einer vieradrigen Glasfaser. Zum Vergleich mit einem älteren Fernübertragungsrekord: 2023 wurden zwar Daten über 12.345 Kilometer geschickt, aber nur mit 0,138 Petabit pro Sekunde. Das neue Experiment kombiniert also erstmals hohe Kapazität und große Distanz in einem Maß, das es so vorher nicht gab.

Der Trick: 19 statt einem

Das technische Herzstück ist eine eigens entwickelte Glasfaser mit 19 Kernen statt des einen Kerns, den herkömmliche Fasern besitzen. Jeder dieser 19 optischen Leiter funktioniert dabei als eigenständiger Datenkanal - im Grunde eine 19-spurige Datenautobahn, gepackt in ein Kabel, das mit 0,125 Millimetern denselben Außendurchmesser hat wie handelsübliche Glasfasern. Das ist kein Detail, sondern der eigentliche Clou: Die Faser lässt sich rein physisch in bestehende Infrastruktur einziehen, ohne dass Leitungswege neu gebaut werden müssten.

Damit die 19 Kanäle sich auf der langen Strecke nicht gegenseitig stören, setzten die Forscher auf 16QAM-Modulation über 180 verschiedene Wellenlängen gleichzeitig - vereinfacht gesagt, es wird mehr Information in jeden einzelnen Lichtimpuls gepackt. Am Ende der Strecke sitzt ein Detektor mit ebenfalls 19 Kanälen, der die Signale wieder auseinanderklamüsert. Die dabei entstehenden Interferenzen zwischen den Kernen werden per MIMO-Signalverarbeitung herausgerechnet, unterstützt von digitalen Signalprozessoren, die über Jahre für genau solche Szenarien optimiert wurden. Unterwegs musste das Signal übrigens 21 Mal verstärkt werden, um die Strecke überhaupt durchzuhalten.

Kommt das Petabit-Internet zu uns nach Hause?

Kurz gesagt: nein, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Pornhub-Enthusiasten müssen sich wohl noch etwas gedulden. Ein Blick auf die Realität hierzulande relativiert die Zahlen schnell wieder: Anbieter wie die Deutsche Telekom bewerben Glasfaseranschlüsse aktuell mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde. Der japanische Rekord bewegt sich in einer völlig anderen Liga - rund eine Million Mal schneller. Das ist Labortechnik, kein Produkt.

Sumitomo selbst gibt allerdings an, das 19-Kern-Kabel bereits jetzt in Serie fertigen zu können. Die Forscher sehen dennoch weiteren Entwicklungsbedarf, vor allem bei Verstärkern und Signalprozessoren, bevor aus dem Laborergebnis eine praxistaugliche Lösung wird. Der Weg vom Rekord zur Marktreife ist also angelegt, aber noch nicht gegangen.

Ein Blick in die nahe Zukunft

Die eigentliche Relevanz liegt nicht darin, dass irgendwann jeder Privathaushalt Petabit-Leitungen bekommt. Sie liegt in den Backbones - jenen Fernverbindungen, über die der globale Datenverkehr zwischen Rechenzentren, Kontinenten und Internet-Knotenpunkten läuft. Und genau dort wächst der Bedarf gerade rasant. KI-Modelle, die mit gigantischen Datenmengen trainiert werden, Cloud-Dienste, die immer mehr Rechenlast auslagern, Streaming in immer höheren Auflösungen: All das frisst Bandbreite in einem Tempo, das bestehende Netze zunehmend an ihre Grenzen bringt.

Fasern, die mit Standardmaßen kompatibel sind und trotzdem ein Vielfaches der bisherigen Kapazität liefern, sind für die Betreiber dieser Netze deshalb hochinteressant - nicht weil sie morgen verbaut werden, sondern weil sie zeigen, dass die physikalischen Grenzen der Glasfasertechnik noch längst nicht erreicht sind. Wer heute in Rechenzentren, KI-Infrastruktur oder Unterseekabel investiert, schaut auf genau solche Forschungsergebnisse, um abzuschätzen, wie viel Kapazität morgen noch draufpasst.

Der Rekord aus Japan ist ein schönes Beispiel dafür, wie viel Ingenieurskunst in einem unscheinbaren Glasfaserkabel stecken kann. Kein neues Material, kein exotischer Aufbau, sondern die konsequente Weiterentwicklung eines bewährten Prinzips - mehr Kerne, cleverere Modulation, bessere Signalverarbeitung. Für den eigenen Internetanschluss ändert sich dadurch erst einmal nichts. Für die Netze, auf denen unser digitales Leben eigentlich läuft, könnte dieser Rekord aber ein kleiner, aber wichtiger Baustein für die nächsten Jahre sein.

01.08.2026

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